Jetzt isses also amtlich: Die großen Musikverbände dieser Welt – RIAA, IFPI, in Deutschland der BVMI – haben sich auf ein Kennzeichnungssystem für KI-Musik geeinigt. Zwei Label soll’s geben: „KI-generiert“ und „KI-unterstützt“. Klingt erstmal nach nem Schritt in die richtige Richtung. Ich sag euch aber gleich: Es ist Halbherzigkeit mit Ansage, und ich erklär euch auch warum
Was steht drin im neuen System?
Laut heise.de gilt ein Track schon dann als „KI-generiert“, wenn der Leadgesang oder zentrale Instrumentalparts per Prompt erzeugt wurden. Man muss also nicht den kompletten Song durch ne KI jagen, damit das Label greift – reicht schon, wenn die Hauptstimme oder das zentrale Instrument aus der Maschine kommt.
„KI-unterstützt“ dagegen heißt: Die Aufnahme kommt im Wesentlichen von echten Menschen, Gesang und Hauptinstrumente wurden von Musikern eingespielt, aber irgendwo im Prozess wurde KI für einzelne Ausdruckselemente genutzt – vielleicht n bisschen Mastering-Assistenz, vielleicht ne KI-generierte Textzeile hier und da.
Und jetzt kommt der Punkt, der mich richtig auf die Palme bringt: Songtexte und Kompositionen sind komplett außen vor. Das heißt im Klartext – ein Song kann textlich und kompositorisch zu 100 Prozent aus der KI stammen. Solange dann n Mensch das einsingt und echte Instrumente draufspielt, muss gar kein Label ran. Nicht mal „KI-generiert“. Der Bundesverband Musikindustrie sagt selber, dass Songtexte „vom System derzeit nicht abgedeckt“ werden. Gleiches gilt für Kompositionen.
Ihr merkt die Lücke, oder? Man kann sich als Künstler hinstellen, nen komplett KI-geschriebenen Text nehmen, ne KI-Melodie draufsetzen, das Ganze selber einsingen – und nach außen sieht’s aus wie hundert Prozent handgemacht. Für mich als jemand, der seit Jahren für echte, unverfälschte HipHop-Kultur steht, ist das genau die Art von Etikettenschwindel, vor der ich immer gewarnt hab.
Warum überhaupt jetzt?
Der Druck kommt nicht aus reinem Idealismus der Industrie, sondern aus nackten Zahlen. Deezer hat im April gemeldet, dass 44 Prozent der neu hochgeladenen Tracks komplett KI-generiert waren – fast viermal so viel wie ein Jahr davor. Das ist kein Nischenphänomen mehr, das ist ne Flutwelle. Streaming-Kataloge werden mit maschinell produzierter Massenware zugeschüttet, und zwar von Leuten, die nur auf die Centbeträge pro Stream aus sind. Klar, dass da irgendwann die etablierten Player reagieren müssen, schon allein um ihr eigenes System vorm Kollaps zu retten.
Interessant dabei: Die großen Streaming-Riesen wie Spotify, Apple Music, YouTube und Amazon sind bislang gar nicht Teil dieser Initiative. Die Verbände haben sich also untereinander geeinigt, aber die Plattformen, wo die Musik am Ende landet, ziehen erstmal nicht automatisch mit. Deezer ist da tatsächlich am weitesten vorne – die kennzeichnen komplett KI-generierte Titel inzwischen automatisch und nehmen sie sogar aus den Empfehlungen raus. Spotify und Apple Music setzen dagegen eher auf Selbstauskunft der Künstler und Vertriebe. Und wir alle wissen, wie zuverlässig freiwillige Selbstauskunft ist, wenn Geld im Spiel ist.
Der EU AI Act macht ernst
Was die ganze Sache noch mal verschärft: Ab dem 2. August 2026 greift mit dem EU AI Act eine echte Transparenzpflicht nach Artikel 50. Anbieter von KI-Systemen müssen synthetische Ausgaben dann maschinenlesbar als KI-generiert markieren. Ein sichtbares KI-Label ist im Gespräch. Das ist also keine reine Industrie-Selbstverpflichtung mehr, sondern wird zum Gesetz. Und genau das brauchen wir – nicht nur nette freiwillige Aufkleber, sondern verbindliche Regeln, an die sich auch die großen Plattformen halten müssen.
Meine Meinung als Label-Betreiber
Ich mach das hier alles selber, jeden Track, jede Zeile, jede Aufnahme. FLEX BARKER MUSIC RECORDS steht für echte Handarbeit, für Menschen, die im Studio schwitzen und nicht für Prompts, die in Sekunden nen halbgaren Track auswerfen. Bei mir läuft alles zu hundert Prozent menschlich – Text, Melodie, Gesang, Instrumente. Genau deswegen find ich’s wichtig, dass Labels wie „KI-generiert“ nicht nur bei Gesang und Instrumenten ansetzen, sondern auch bei Text und Komposition greifen sollten. Alles andere ist Kosmetik.
Für uns unabhängige Künstler, die noch von Hand produzieren, ist so ne Kennzeichnung eigentlich ne Riesenchance. Wenn Hörer erstmal zuverlässig erkennen können, was Mensch und was Maschine ist, dann können handgemachte Sachen sich wieder als das positionieren, was sie sind: was Besonderes. Laut BVMI-Chef Florian Drücke wünschen sich übrigens 83 Prozent der Fans genau diese Klarheit. Die Nachfrage ist also da. Jetzt müssen die Verbände nur noch den Mut haben, die Lücken bei Text und Komposition zu schließen, und die Streaming-Giganten müssen mitziehen, statt sich rauszuhalten.
Bis dahin bleib ich dabei: Bei mir kommt der Text aus’m Kopf, die Stimme aus der Kehle, und der Beat aus echten Boxen. Kein Prompt, keine Maschine, kein Etikettenschwindel.
Quelle: heise online, „Musikindustrie beschließt abgestufte Kennzeichnung von KI-Inhalten“, 11. Juli 2026